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Bruno Bauer und Bibliothek 2.0 - Teil 1

MB.jpg By Mark Buzinkay in Trends
Published: Tuesday, 17 April 07 - 12:08 PM (GMT +01:00)
Last Updated: Monday, 23 April 07 - 10:33 AM (GMT +01:00)

Ich habe Bruno Bauer, Leiter der Bibliothek der Medizinischen Universität Wien zum Einsatz von Web 2.0 im Rahmen "seiner" Bibliothek befragt. Die UB der MedUni Wien ist in Österreich ein Vorreiter in der Umsetzung einer Bibliothek 2.0 Konzeption.

Mark Buzinkay: Die UB der MedUniWien hat als erste UB in Österreich ein Blog eingerichtet. Wie kam es dazu und mit welcher Zielsetzung wird der Blog betrieben?

Bruno Bauer: Als wir unsere Bibliotheks-Website im Vorjahr einem gründlichen Relaunch unterzogen und unter anderem drei Sub-Portale für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für Studierende und für sonstige Benutzergruppen eingerichtet haben, verfolgten wir dabei zugleich auch das Ziel, unsere bisherige Informations- und PR-Arbeit im Internet deutlich zu verbessern. Bis dahin haben wir für diesen Zweck neben unserer Website vor allem das Instrument des Newsletters genutzt, für den wir mehr als 300 Subskriptionen verzeichnen konnten und mit dem wir seit 1999 durchschnittlich einmal im Monat über Innovationen der Bibliothek informiert haben.

Während die Benutzerinnen und Benutzer der traditionellen Bibliothek vor Ort in die Bibliothek kommen mussten, betreten Kundinnen und Kunden des Online-Angebotes die Bibliotheksräume vor Ort oft nur sporadisch, wobei ein wesentlicher Vorteil der digitalen Bibliothek darin liegt, dass sie, gemäß dem Motto 24 / 7 jederzeit „betreten“ bzw. genutzt werden kann. Parallel zum Ausbau des Angebots an elektronischen Bibliotheksressourcen – neben den Online-Fachbibliographien und elektronischen Volltextzeitschriften sind hier auch elektronische Bücher (etwa Pschyrembel online, Austria Codex, Online-Bücher des Thieme und Springer-Verlages) zu nennen – sahen wir sehr bald den Bedarf an einem Informationsinstrument, mit dem wir die Benutzerinnen und Benutzer der elektronischen Angebote erreichen konnten. Und als  passendes und zeitgemäßes Instrument wurde Ende der 90er Jahre eben der Newsletter konzipiert. Für dessen Aktualität erwies sich allerdings die redaktionelle Notwendigkeit, einen bestimmten Erscheinungsrhythmus einhalten zu müssen, als nachteilig. Nicht leicht zu lösen war auch der Anspruch, in jedem Newsletter zumindest eine Information für jede der von uns zu betreuenden Zielgruppen – Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, externe Kundinnen und Kunden – zu platzieren. Zudem standen auch nur unbefriedigende Lay-Out-Möglichkeiten zur Verfügung, und es bestand auch nicht die Möglichkeit, Abbildungen zu integrieren.
Ergänzend zum Newsletter gab es auf der Startseite unserer Homepage schon seit jeher einen Punkt „News“, der allerdings hinsichtlich des Umfangs der Meldungen und der optischen Aufbereitung ebenfalls nur in einem sehr engen Korsett bedient werden konnte.
Die Meldungen der Newsletter und auch die „News“ wanderten zwar in ein „Archiv“ und standen so auch für eine spätere Nutzung zur Verfügung. In der Praxis entsprach der Versuch, Informationen, die etwa vor einem Jahr über den Newsletter ausgesandt worden waren, im „Archiv“ wieder aufzurufen, allerdings der Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen.

Mit dem Blog aber steht nunmehr ein modernes Informationsinstrument zur Verfügung, mit dem die oben skizzierten Mängel optimal behoben werden konnten. Die Zweigleisigkeit zwischen Newsletter und „News“ konnte aufgegeben werden, weil die Titel der jeweils aktuellsten Blog-Einträge auf der Startseite angezeigt werden. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Aktualität, die der Blog ermöglicht, weil jede für die Bibliothek wichtige Information innerhalb von Minuten in den Blog gesetzt werden kann. Dazu bietet das Instrument des Blogs auch die Möglichkeit, „auf Vorrat zu arbeiten“ und bestimmte, fix terminisierte Meldungen wie „Datenbank des Monats“ dann vorzubereiten, wenn es zeitlich gut unterzubringen ist. Seit seiner Inbetriebnahme haben wir schon ca. 100 Mitteilungen in den Blog gestellt, das bedeutet pro Monat bringen wir ca. 10 Informationen bzw. Nachrichten über unsere Bibliothek, unsere Angebote und Services. Bei der Implementierung des neuen Instruments war uns auch ein hoher Qualitätsanspruch wichtig, was die ansprechende Aufbereitung der Meldungen durch Integration von Abbildungen betrifft; ca. 75 % unserer Mitteilungen sind illustriert.
Ein wichtiger Vorteil des Blogs liegt meines Erachtens darin, dass mit RSS ein Instrument zur Verfügung steht, mit dem die Informationen auch gezielt an die potentiell Interessierten gerichtet werden können, und dass die Meldungen des Blogs in Suchmaschinen wie etwa Google sehr prominent platziert werden. Über diesen Effekt staunen wir selbst immer wieder, wenn einzelne Meldungen unseres Blogs, in denen wir über bestimmte Informationsressourcen informieren sogar vor den Firmen-Websites gelistet werden, auf denen diese Produkte vorgestellt werden. Ein weiterer positiver Aspekt liegt in der Möglichkeit, die Meldungen des Blogs chronologisch und thematisch abzulegen.
Der Erfolg der neuen Website und des Blog, der einen wesentlichen Teil der Neukonzeption darstellt, spiegelt sich nicht zuletzt darin, dass die Freischaltung im Juni 2006 von einer sehr positiven Resonanz begleitet wurde und diesbezüglich kein einziges negatives Statement in der Bibliothek eingelangt ist, was bei früheren Relaunches der Website nicht gegeben war, sowie in einer deutlichen Zunahme der Zugriffe auf unsere Webpages.

Der zweite Teil ist hier nachzulesen.

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